Logopäden-Workshop in Mogilew 2017

Fortbildung, Einzelberatung und -behandlung zum Thema Schlucktherapie für palliativ häuslich gepflegte Kinder. Der Vortrag am 5.Oktober im Kinderheim richtete sich an Logopäden, das Pflegepersonal und die interessierten Eltern. Während des Vortrags wurden praktische Übungen gezeigt und auch Selbsterfahrung angeboten. An den beiden Folgetagen fanden für die Kinder Einzelberatungen und Behandlungen in den Räumlichkeiten des Kinderheims statt. Für schwerst erkrankte Kinder wurden außerdem Hausbesuche durchgeführt.
Kinderheim Mogilew
4. - 8. Oktober 2017
Die Logopädinnen Ruth Renger, Ute Gottlieb, Britta Meyer-Baltes und Lidwin Spee (außen) machten sich auf die lange Reise nach Mogilew, um ihr Wissen an ihre weißrussischen Kollegen und Kolleginnen und die Eltern unserer palliativ behandelten Kinder weiterzugeben. Hier stehen sie mit unseren Dolmetscherinnen Alla Serjoshkina und Maria Sinichenkowa vor dem Eingang des Mogilewer Kinderheims
Ihre persönlichen Eindrücke schildert Lidwin Spee in einem Reisebericht.
"Wie kann man Kindern mit Schluckstörungen am besten helfen?" Eine Beobachtung des Workshops durch Alla Serjoshkina
Unser gemeinsames Projekt „Häusliche Hilfe für palliative Kinder“ ist eine große Herausforderung, denn beim Umsetzen des Projekts stößt das Personal der Anlaufstelle immer wieder auf brennende Probleme, welche die Familien mit palliativen Kindern betreffen. Ein solches Problem sind Schluckstörungen. Leider fehlen uns vor Ort oft Erfahrungen, wie solche Probleme zu lösen sind, oder es fehlen entsprechende Fachkräfte, die einen Lösungsweg aufzeigen könnten. In solchen Fällen sprechen wir unsere deutschen Projektpartner an. Der Verein vermittelt dann entsprechende professionelle Unterstützung. So war es bei der Hilfe deutscher Physio- und Ergotherapeuten im vorigen Jahr und genauso war es jetzt mit einer Gruppe von vier deutschen Logopädinnen, die vom 4. bis 8. Oktober 2017 nach Mogilew kamen, um einer ausgewählten Zielgruppe von 24 palliativ betreuten Kindern mit Schluckstörungen und ihren Eltern zu helfen.
In der gemeinsamen Vorbereitungsphase gab es von beiden Seiten viele Überlegungen und Unsicherheiten. Die deutschen Logopädinnen standen vor der Aufgabe, komplizierte medizinische Fragen und Zusammenhänge einfach sowohl weißrussischen Kollegen als auch den Eltern zu erklären. Die weißrussischen Teilnehmer fragten sich, was Logopädie mit dem Thema „Schlucktherapie“ überhaupt zu tun hat, schließlich gehe es in der Logopädie doch hauptsächlich um Sprechstörungen! Die Eltern hatten im Vorfeld schon Fragelisten vorbereitet und warteten nun ungeduldig und mit gemischten Gefühlen auf das Treffen mit den deutschen Logopädinnen. Am ersten Tag nahmen weißrussische Logopäden aus den städtischen Kinderambulanzen, dem Kinderkrankenhaus und dem Kinderheim an der theoretisch-praktischen Konferenz teil. Theoretische und anatomische Grundlagen der Schluckprobleme wurden von den deutschen Logopädinnen ausführlich und bildhaft erklärt. Die Seminarteilnehmer wurden in praktische Übungen und Vorführungen aktiv einbezogen, alle vorbereiteten und spontanen Fragen wurden dabei ausführlich beantwortet und verschiedene Methoden gezeigt. Mit großer Aufmerksamkeit und viel Interesse wurde den Vorträgen der deutschen Logopädinnen über vier Stunden zugehört. In einer kleinen Pause und am Ende der Konferenz bestätigten die weißrussischen Logopäden: „Ein so interessantes und aufschlussreiches Seminar haben wir noch nie zuvor besucht!“
Die nächsten Tage waren voll von Erwartungen. Die spannende Frage war, wie wird es in der Praxis mit den Kindern und ihren Eltern sein? In den nächsten zwei Tagen wurde es allen klar, wie hilfreich die vorgeführten Techniken und wie wichtig sie für die Kinder sind. Die Eltern erhielten ausführliche Erklärungen mit individuellen schriftlichen Empfehlungen und Hinweisen, dazu passend praktische Übungen. Familien, die nicht mit ihren Kindern zur Behandlung kommen konnten, wurden zu Hause besucht. Bereits am Tag nach der Behandlung kamen Briefe von den Eltern mit Dank für die Vorstellung von Möglichkeiten, das Problem mit dem Schlucken Schritt zu Schritt zu lindern.
Am letzten Tag fand ein sachliches Abschlussgespräch mit dem Personal der Anlaufstelle statt. Es wurden neue Wege und Vorgehensweise im Rahmen dieses Problems diskutiert und weitere Fragen beantwortet. Dadurch entstand ein besseres Verständnis der Komplexität der Probleme bei Schluckstörungen. Es wurden Möglichkeiten und Lösungswege vor Ort aufgezeigt. Es besteht der gegenseitige Wunsch, an diesem Problem weiter zusammen zu arbeiten. „Zusammen sind wir stark!“, sind denn auch die Worte, mit denen Britta Meyer-Baltes die Ergebnisse dieser gemeinsamen arbeitsreichen Tage in Mogilew zusammenfasste und unterstrich.
Alla Serjoshkina