Ein Stück mehr Selbständigkeit für Nazar

Für den zwölfjährigen Nazar aus der Region Schytomyr ist ein großer Wunsch Wirklichkeit geworden: Ein eigener Elektrorollstuhl schenkt ihm ein Stück Selbstständigkeit und eröffnet ihm ganz neue Möglichkeiten im Alltag. Möglich wurde dies durch eine Begegnung, die uns sehr berührt hat – und durch viele Menschen, die gemeinsam dazu beigetragen haben, ganz konkrete Hilfe möglich zu machen.
Nazar hat Osteogenesis imperfecta, auch als „Glasknochenkrankheit“ bekannt. Bei dieser seltenen genetischen Erkrankung sind die Knochen besonders brüchig. Aufgrund seiner Erkrankung kann Nazar nicht selbstständig stehen oder gehen.
Trotz seiner körperlichen Einschränkungen besucht er die Schule, lernt gerne, liebt Mathematik und zeichnet mit großer Begeisterung. Besonders wichtig ist ihm der Kontakt zu anderen Kindern.
Als wir Nazar und seine Mutter kennenlernten, hat uns nicht nur sein offenes Lächeln beeindruckt, sondern auch die Selbstverständlichkeit, mit der seine Mutter den Alltag mit ihrem Sohn meistert. Ganz ruhig erzählte sie uns, dass sie Nazar in der Schule auf den Armen von Raum zu Raum trägt, damit er am Unterricht und am schulischen Leben teilnehmen kann.
Eine Situation, die uns sehr berührt hat – und bei der für uns schnell feststand: Wir möchten versuchen, Nazar zu helfen.
Nazar im Gespräch mit unseren Ehrenamtlichen
Gemeinsam wurden die notwendigen Unterlagen zusammengestellt und die Suche nach einem Elektrorollstuhl begonnen, der zu Nazars individuellen Bedürfnissen passt. Verschiedene Organisationen wurden kontaktiert, Gespräche geführt und technische Voraussetzungen geklärt.
Nach und nach kamen positive Rückmeldungen – und schließlich konnte tatsächlich in der Ukraine ein geeigneter Elektrorollstuhl für Nazar gefunden werden. Nun musste er nur noch den Weg zu Nazar in die Region Schytomyr finden. Wir übernahmen die Kosten für den Transport innerhalb der Ukraine, sodass der Rollstuhl schließlich bei Nazar und seiner Mutter ankommen konnte.

Dann war es endlich so weit: Nazar konnte seinen neuen Rollstuhl zum ersten Mal ausprobieren. Inzwischen hat er uns bei einem Videoanruf stolz gezeigt, wie sicher er damit bereits durch das Haus fährt. Und er hat schon ein nächstes großes Ziel: Mit seinem eigenen Rollstuhl möchte er künftig zur Schule fahren.
Für einen zwölfjährigen Jungen bedeutet das weit mehr als eine technische Hilfe. Der Rollstuhl schenkt Nazar ein Stück Selbstständigkeit und Bewegungsfreiheit und eröffnet ihm neue Möglichkeiten, am Alltag und am Leben mit anderen teilzunehmen.
Uns ist bewusst, dass wir nicht jedem Menschen helfen können, der Unterstützung benötigt. Unsere Möglichkeiten als ehrenamtlich arbeitender Verein sind begrenzt. Umso wertvoller sind die Momente, in denen es gelingt, für einen einzelnen Menschen ganz konkret etwas zu verändern.
Nazars Geschichte macht zugleich sichtbar, was Eltern von Kindern mit Behinderungen und schweren Erkrankungen jeden Tag leisten. Sie organisieren, tragen, begleiten, pflegen, ermutigen und suchen immer wieder nach Möglichkeiten, ihren Kindern Teilhabe und ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Diese Kraft und Ausdauer verdienen unseren großen Respekt.
Dass Nazar nun ein Stück mobiler und selbstständiger sein kann, wurde durch das Zusammenspiel vieler Menschen möglich: durch Kontakte, Hinweise, Gespräche und organisatorische Unterstützung – und nicht zuletzt durch Menschen, die unsere Arbeit mit ihren Spenden unterstützen.
Wer dazu beitragen möchte, dass wir auch in ähnlichen Fällen schnell und unbürokratisch helfen können, kann unsere Arbeit gerne unterstützen. Informationen dazu finden Sie auf unserer Website.
Wir wünschen Nazar viel Freude mit seinem neuen Rollstuhl – und vor allem viele Wege, die er damit künftig selbst zurücklegen kann.




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